Das EPR-System für Haushaltsverpackungen und grafische Papiere (EMPAP) betrifft alle Unternehmen, die verpackte Produkte für französische Haushalte vermarkten – ob als Hersteller, Importeur oder Vertreiber unter eigener Marke. Diese Akteure müssen jährliche Meldepflichten erfüllen und Öko-Beiträge zahlen, die anhand von Gewicht und Art der in Verkehr gebrachten Verpackungen berechnet werden. Das Gebührensystem umfasst Bonus-Malus-Mechanismen, die das Öko-Design fördern und die Umweltauswirkungen von Verpackungen verringern sollen.
Betroffene Akteure des EPR-EMPAP-Systems und ihre Pflichten
Wer muss seine Verpackungen melden?
Nicht alle Unternehmen sind betroffen, aber es sind viele, denn zu den erfassten Akteuren zählen alle, die verpackte Produkte für den französischen Markt in Verkehr bringen, die für Haushalte bestimmt sind und in den Anwendungsbereich des Verpackungssystems fallen. Diese Einstufung umfasst Hersteller, die verpackte Konsumgüter produzieren, Importeure, die verpackte Produkte aus dem Ausland einführen, sowie Vertreiber, die unter eigener Marke vermarkten. Auch Online-Verkaufsplattformen, die das Inverkehrbringen ermöglichen, gelten im regulatorischen Sinne als Hersteller.
Dieses EPR-System sieht keine Mindestmengenschwelle vor und gilt bereits ab der ersten in Verkehr gebrachten Verpackung. Wer als Handwerker monatlich nur einige Gläser Marmelade in Glasgefäßen verkauft, muss sich theoretisch genauso registrieren wie ein großer Lebensmittelkonzern, der jährlich Millionen Einheiten vertreibt.
Die Jahresmeldung und die verpflichtende Kennzeichnung
Die Compliance umfasst die Erlangung einer eindeutigen Kennnummer (IDU) über die Plattform SYDEREP. Die Rücknahmeorganisation, der das Unternehmen beitritt, registriert es bei SYDEREP und teilt ihm seine IDU mit. Diese Kennnummer dient der Nachverfolgung der Meldungen und der Zuordnung jedes Herstellers zu seiner Rücknahmeorganisation. Die Jahresmeldung, die bis zum 31. März einzureichen ist, weist die im Vorjahr in Verkehr gebrachten Verpackungsmengen nach Material getrennt aus (Karton, Glas, Kunststoff, Aluminium, Stahl).
Darüber hinaus müssen Verpackungen das Triman-Logo mit Sortierhinweisen tragen, das die Verbraucher über die Entsorgung informiert. Diese Kennzeichnung wird auf allen produktbezogenen Kommunikationsmitteln verpflichtend, wenn sie aus technischen Gründen nicht direkt auf der Verpackung angebracht werden kann. EPR-pflichtige Unternehmen, die diese Pflicht vernachlässigen, riskieren Verwaltungsstrafen – zusätzlich zu den Sanktionen im Zusammenhang mit der Nichtzahlung der Beiträge.
Das Berechnungssystem der Öko-Beiträge für EPR Verpackungen und grafische Papiere
Tarife nach Materialien und Recyclingfähigkeit
Die Öko-Beiträge werden anhand des Gewichts der in Verkehr gebrachten Verpackungen berechnet, wobei die Tarife je nach Material und dessen Recyclingfähigkeit erheblich variieren. Glas profitiert von günstigen Tarifen dank seines einfachen und unbegrenzt wiederholbaren Recyclings. Mehrschichtige Kunststoffe tragen hohe Beiträge, die ihre Schwierigkeiten beim Recycling widerspiegeln. Zum Vergleich: Wellpappe-Verpackungen kosten in der Regel wenige Cent pro Kilogramm, während eine komplexe Kunststofffolie für dasselbe Gewicht mehrere zehn Cent erreichen kann.
Das Bonus-Malus-System verfeinert diese Gebührenstruktur, indem es vorbildlichen Verpackungen Ermäßigungen gewährt. Ein Produkt mit mindestens 50 % Recyclingmaterial profitiert ebenso von einem finanziellen Bonus wie Monomaterial-Verpackungen, die die Sortierung und das Recycling vereinfachen. Umgekehrt führen unnötige Überverpackungen oder komplexe Materialkombinationen zu Maluszahlungen, die die Jahresrechnung erheblich erhöhen.
Beispiele für Beiträge bei verschiedenen Verpackungen
Nichts veranschaulicht dies besser als ein fiktives Beispiel: Ein Joghurthersteller, der 10 Millionen Polystyrol-Becher (PS) zu je 125 g vermarktet, also rund 1.250 Tonnen Verpackung, zahlt je nach geltendem PS-Tarif mehrere zehntausend Euro pro Jahr. Dieselbe Menge, verpackt in Mehrweg-Pfandgläsern, würde von einer erheblichen Ermäßigung oder sogar einer teilweisen Befreiung profitieren, abhängig von den Bedingungen des Pfandsystems.
Ein weiteres Beispiel für Öko-Beiträge eines vom EPR-EMPAP-System betroffenen Unternehmens ist ein Online-Händler. Er verschickt jährlich 50.000 Pakete in 500-g-Kartonschachteln mit Papierpolster (also 25 Tonnen) und muss einige tausend Euro zahlen – ein Betrag, der sich durch die Wahl von recyceltem Karton und den Verzicht auf die äußere Kunststoff-Schutzfolie um 10 bis 15 % senken ließe. Diese Designentscheidungen wirken sich unmittelbar auf die Rentabilität aus, insbesondere bei margenschwachen Produkten, die in großen Mengen verkauft werden.
EPR-EMPAP-Rücknahmeorganisationen und Optimierung
Zugelassene Akteure
Drei Rücknahmeorganisationen sind bis zum 31. Dezember 2029 zugelassen für das EMPAP-System: Citeo, Adelphe und Leko. Citeo ist im Bereich der Haushaltsverpackungen allgegenwärtig und verwaltet den überwiegenden Teil davon. Diese Rücknahmeorganisation koordiniert die getrennte Sammlung landesweit, finanziert Sortieranlagen und unterstützt Kommunen beim Ausgleich ihrer Betriebskosten. Adelphe, eine Tochtergesellschaft von Citeo, ist auf den Lebensmittel- und Getränkesektor spezialisiert. Leko positioniert sich als dritte Alternative mit differenzierten Tarifen und individueller Betreuung.
Unternehmen können vor ihrer Wahl Tarife, zugehörige Leistungen (Schulungen, Öko-Design-Beratung, Unterstützung bei der Meldung) und die Reaktionsfähigkeit des Kundendienstes vergleichen. Dieser Vergleich lohnt sich besonders für Unternehmen, die jährlich mehrere hundert Tonnen in Verkehr bringen, wo bereits wenige Cent pro Kilogramm erhebliche Einsparungen erzeugen können.
Hebel zur Optimierung der Verpackungskosten
Um die Kosten in diesem EPR-System zu senken, muss vor allem das Gewicht der Verpackungen reduziert werden – dabei gilt es jedoch, die Balance zwischen Leichtbau und ausreichender Stabilität für Transport und Handhabung zu finden. Ein Keksehersteller, der seine Kartonschachteln um 10 % verringert, senkt seinen Jahresbeitrag entsprechend, ohne den Produktschutz zu beeinträchtigen.
Der Wechsel zu besser bewerteten Materialien verändert ebenfalls die wirtschaftliche Gleichung. Der Ersatz einer komplexen Kunststofffolie durch recycelbares Kraftpapier kann die Stückkosten des Öko-Beitrags halbieren oder sogar dritteln. Handelsmarken, die ihre Verpackungen umfassend neu gestalten, erzielen jährliche Einsparungen im sechsstelligen Bereich und verbessern zugleich deutlich ihre Umweltkommunikation gegenüber Verbrauchern, die für diese Themen sensibilisiert sind.


